Schriftliche Statements von PolitikerInnen der Regierungsparteien
zum Tatort Kulturpolitik #2
AMS: Arbeitslosenversicherung und andere Zumutungen
oder
Die (Nicht)Vereinbarkeit von selbstständiger/unselbstständiger Arbeit und Arbeitslosenversicherung
am 12.5.2009 im Literaturhaus in Wien
Alle Eingeladenen wurden im Falle einer Verhinderung auch um eine schriftliche Partizipation an der Veranstaltung gebeten. Die zentralen Fragen der Veranstaltung waren folgende:
(1) Wie ist Ihre Position zur aktuellen Situation von Kunst-, Kultur- und Medienschaffenden im Kontext von AlVG, AMS und Team4?
(2) Was wird diesbezüglich an Änderungsvorschlägen überlegt?
(3) Welche Maßnahmen sind konkret geplant?
(4) Wie realistisch ist deren politische Durchsetzung in der Regierung?
Bislang eingelangte Statements (work in progress)
- Werner Faymann (Bundeskanzler)
Im Bezug auf das gewünschte Statement bitten wir Sie, sich an die inhaltlich zuständigen BundesministerInnen zu wenden.
- Claudia Schmied (Unterrichtsministerin)
Büro der Bundesministerin Schmied: "Die Frau Bundesministerin ist aufgrund der kurzen Zeit nicht in der Lage ein Statement beizutragen" (Einladung zum Statement erging am 7.5.; ursprüngliche Einladung zum Podium am 8.4.).
- Christine Muttonen (Kultursprecherin der SPÖ im Parlament)
Gerne komme ich hiermit auf Ihr Angebot zurück, zu der von Ihnen organisierten Diskussion ein Statement beizutragen. Ich darf Ihnen dieses auch im Namen meiner KollegInnen im SPÖ-Parlamentsklub übermitteln. Ich möchte jedoch betonen, dass die Tatsache, dass ich auch im Namen meiner KollegInnen antworte, in keinem Fall mit mangelndem Interesse oder mangelnder Diskussionsbereitschaft in Verbindung gebracht werden kann. Vielmehr entspricht es der parlamentarischen Realität, da jeder/jede Abgeordnete in mehreren Ausschüssen vertreten ist und dort mit einer großen Fülle von Vorhaben konfrontiert wird. Um dennoch eine detaillierte Auseinandersetzung zu ermöglichen, findet auch bei den Abgeordneten eine Spezialisierung auf bestimmte Themenbereiche statt. Dieses System wird nach außen hin durch die BereichssprecherInnen transparent gemacht. Ich bin froh in diesem Falle als Kultursprecherin das Vertrauen meiner KollegInnen zu genießen und darf Ihnen daher in dieser Funktion antworten.
Doch nun zum Inhaltlichen: Die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von KünstlerInnen ist uns ein großes Anliegen. Mit der Studie zur sozialen Lage, die auch von Interessensvertretungen gerne als Argumentationsgrundlage verwendet wird, liegt nun eine umfassende Analyse als Grundlage für weitere Vorhaben vor. In einer ersten Reaktion wurde bereits der maximale Beitragszuschuss des Künstler-Sozialversicherungsfonds erhöht und eine interministerielle Arbeitsgruppe gebildet. Wie sie wahrscheinlich wissen, soll die Arbeitsgruppe drei zentrale Problemfelder – Arbeitssituation/Arbeitsrecht; AMS/ALVG; Sozialversicherung – bearbeiten und Lösungsvorschläge präsentieren. Interessensvertretungen werden in den Diskussionsprozess eingebunden, was ich für das Gelingen des Prozesses für wichtig erachte.
Aus meiner Sicht muss die Arbeitsgruppe im Zusammenhang mit dem Thema Ihrer Veranstaltung folgende Fragen klären:
- Wie lassen sich die spezifischen künstlerischen Arbeitsverhältnisse besser in die Regelungen der Arbeitslosenversicherung integrieren?
- Wie kann die Betreuung bei Arbeitslosigkeit verbessert werden? Welche Sonderregelungen für KünstlerInnen wären möglich und sinnvoll?
- Welche Auswirkungen hat die ALVG-Novelle? Welche Möglichkeiten gäbe es, hier die Arbeitssituation von KünstlerInnen besser zu berücksichtigen? Welche Auswirkungen hätten etwaige Veränderungen generell auf das System der Arbeitslosenversicherung?
- Welche sinnvolle Definition von Arbeitslosigkeit, die auch auf künstlerische Lebensrealitäten Rücksicht nimmt, kann vorgenommen werden?
- Wie kann mit der Tatsache umgegangen werden, dass vermehrt Wechsel zwischen angestellter und selbständiger Tätigkeit stattfinden, wodurch oftmals komplexe Versicherungssituationen entstehen? Welche Vereinfachungen sind hier möglich?
Ich begrüße es daher sehr, dass die interministerielle Arbeitsgruppe ihre Arbeit aufgenommen hat. Auf Grund der Komplexität der arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Regelungen halte ich einen eingehenden Diskussionsprozess für unabdingbar. Lösungsvorschläge können hier nicht von einer Einzelperson kommen, sondern können nur gemeinsam auch mit den Interessensvertretungen in Abwägung aller Problematiken und Auswirkungen entwickelt werden.
Die Komplexität zeigt sich letztlich für mich auch daran, dass bei den Interessensvertretungen selbst bestimmte Veränderungen schon seit mehreren Jahren diskutiert werden, ohne dass eindeutige Lösungsmöglichkeiten am Tisch liegen. Als Beispiel möchte ich das Schauspielergesetz nennen. Hierbei ist allen Beteiligten klar, dass die gesetzliche Lage in vielen Fällen nicht mehr mit der Praxis übereinstimmt. Allerdings besteht auch die Gefahr einer weiteren Verschlechterung der ohnehin schon schwierigen Situation von SchauspielerInnen. Diese Situation wird auch in der für mich sehr wichtigen Publikation der IG Freie Theaterarbeit „Prekäre Freiheiten. Arbeit im freien Theaterbereich in Österreich“ in seiner ganzen Komplexität dargestellt. Gefordert werden jedoch auch hier keine überstürzten Lösungen, sondern eine eingehende Auseinandersetzung mit der Thematik.
Ganz ähnlich sehe ich das daher bei Ihrem Diskussionsthema Arbeitslosenversicherung/ AMS/ Team 4 und halte es für wenig Ziel führend der Arbeit der Arbeitsgruppe zu diesem Zeitpunkt vorzugreifen. Nicht zuletzt vereinigt die Arbeitsgruppe Experten aus unterschiedlichen Bereichen und soll unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten diskutieren. Erst wenn die Änderungsvorschläge als Ergebnis der Arbeitsgruppe vorliegen, kann auch die Frage der politischen Durchsetzung diskutiert werden. Als Kultursprecherin werde ich mich jedenfalls weiterhin für die Anliegen der KünstlerInnen einsetzen und ihre konkrete Lebens- und Arbeitsverhältnisse auch in andere Diskussionsprozesse einbringen.
- Alois Stöger (Gesundheitsminister)
Zu den vier Fragen folgendes: Sie betreffen allesamt Materien, die nicht dem Gesundheitsressort zugeordnet sind. Zuständig für die Bereiche AMS etc. ist Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Sie werden hoffentlich verstehen, dass wir es im Sinne einer vernünftigen Arbeitsteilung seiner Kompetenz und seinem Ressort überlassen, sich zu dieser Thematik zu Wort zu melden.
- August Wöginger (ÖVP, Mitglied im Sozialausschuss)
Im Namen des Abg. Wöginger bedanke ich mich für Ihr email und Ihren Fragen. Der Abgeordnete hat Ihr Anliegen an die Kultursprecherin und Experten herangetragen und um Bearbeitung gebeten. Soweit wir informiert sind, sind sie bereits mit Ihnen in Kontakt.
- Silvia Fuhrmann (Kultursprecherin der ÖVP)
„Die Kultursprecherin der ÖVP Frau Abg.z.NR Silvia Fuhrmann wird versuchen, Ihnen ein entsprechendes Statement zukommen zu lassen.“
- Gabriele Heinisch-Hosek (Frauenministerin)
Zu Ihren Fragen an Bundesministerin Heinisch-Hosek ist festzuhalten, dass die sozialrechtliche Absicherung für alle Beschäftigten ein zentrales Thema ist. Unabhängig von der Art der Tätigkeit und davon ob es sich um selbständige oder unselbständige Tätigkeit handelt, ist es ein nachvollziehbares Anliegen zu wissen, wie es auch finanziell weitergeht, wenn die Tätigkeit endet.
Die Arbeitslosenversicherung ist eines der wichtigsten sozialen Sicherungssysteme in Österreich. Aufgabe des Arbeitsmarktservice als Dienstleistungsunternehmen am Arbeitsmarkt ist es Arbeitskräfte auf offene Stellen zu vermitteln und die Eigeninitiative von Arbeitsuchenden und Unternehmen durch Beratung, Information, Qualifizierung und finanzielle Förderung zu unterstützen.
Hier kann es gerade im Spannungsfeld von selbständiger und unselbständiger Arbeit zu unterschiedlichen Positionen kommen.
Der Frauenministerin ist besonders die Unterstützung von Frauen in ihrer Erwerbstätigkeit ein Anliegen. Die zunehmende Prekarisierung und atypische Beschäftigung stellt gerade an Frauen neue Herausforderungen, bietet aber auch zahlreiche Chancen, etwa was flexiblere Arbeitszeiten und damit bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Mit der Lage der Kunst- und Kulturschaffenden, insbesondere der weiblichen, beschäftigt sich die Bundesregierung auch aufgrund der derzeit herausfordernden wirtschaftlichen Situation, die Künstlerinnen und Künstler besonders trifft, gerade intensiv. Zu diesem Zweck wurde eine Interministerielle Arbeitsgruppe zur Sozialen Lage der Kunstschaffenden eingerichtet, die sich auch mit Fragen rund um prekäre Beschäftigung und Frauen in der Kunst beschäftigen wird.